Verdenser-Weihnacht 2006Traditionsgemäß erstreckten sich die Weihnachtsveranstaltungen des Bundes über zwei Tage. Für Freitag den 15. Dezember war im Semesterprogramm ein Begrüßungsabend annonciert, und wie im Jahr zuvor saß man zwanglos bei mehr oder weniger viel Bier zusammen und unterhielt sich, durch kein Präsidium unterbrochen und reglementiert. AH Manfred Höft, der lange nicht mehr in Göttingen gewesen war, wurde von AH Olaf Dräger im Crashkurs-Verfahren über die seitherige Entwicklung informiert und fand gleich wieder Kontakt. Unsere Füchse nahmen die Gelegenheit wahr, würdige Philister einmal hautnah in gelockerter Atmosphäre zu erleben. Der Besuch der Veranstaltung war zufriedenstellend - Blumentritt gab's sogar im Doppelpack, die Stimmung zumal bei den Aktiven alsbald ausgelassen. So weit, so gut. Wer sich allerdings Weihnachtsveranstaltungen in den 90er Jahren und auch noch zu Anfang dieses Jahrhunderts erinnert, kann nicht umhin, eine rasante Abwärtsentwicklung von rauschenden Ballnächten mit wesentlich größerer Altherrenbeteiligung und vor allem mit vielen Bundesschwestern zum (diesmal erstmals gänzlich) programmlosen Stammtisch-Klönschnack festzustellen. Die enthusiastischen Semesterberichte früherer Erstchargierter spiegeln wider, was für tolle Feste da Jahr für Jahr gefeiert wurden. Da hieß die Veranstaltung noch Weihnachtsball, und der, "gut besucht und verfeinert durch die Damenrede unseres jüngsten Fuxen ...‚ ging bis morgens früh um sechs". In einem anderen Bericht heißt es: "Die Weihnachtsfeierlichkeiten begannen traditionell mit einem rauschenden Ball, der ... im Billardzimmer stattfand. Eine Sektbar lud im Fernsehzimmer zur Abkühlung und die vorderen Räume waren dem kalten Büffett sowie zahlreichen Sitzmöglichkeiten vorbehalten. Wie im Vorjahr erfreute sich der Ball einer großen Akzeptanz aus der Altherrenschaft, was die Veranstaltung zu einem echten Höhepunkt des Wintersemesters werden ließ". Bleibt noch hinzuzufügen, dass für die Bundesschwestern seinerzeit auch am folgenden Abend mit einem Damenprogramm gesorgt wurde. Sie kamen Jahr für Jahr gern und waren mit großer Begeisterung dabei. Wie wichtig das für eine Korporation ist, bedarf keiner Erörterung. Dieses Mal nun erreichte die Damenbeteiligung, wen wundert´s, einen absoluten Tiefpunkt. Von den vielen Bundesschwestern früherer Jahre war allein Hanne Bieling gekommen. Ob nur Ehemann Hauke, der das Geschehen vor allem in vorgerückter Stunde mit höchster Konzentration verfolgte‚ oder auch Verdensia zuliebe, mag dahinstehen. Die Weihnachtskneipe hingegen brauchte keinen Vergleich mit früheren Jahren zu scheuen. Das gilt sowohl für den Besuch als auch für den Verlauf der Veranstaltung. Dem bewährten Chargentrio Yi Feng, Carl Koch und Paul Schernich präsentierte sich bei der Eröffnung ein rappelvoller Kneipraum. Der xxx Carl Koch hatte die Veranstaltung gut vorbereitet und leitete das Officium souverän. Erster Höhepunkt: sein launiger, aus einer Aneinanderreihung von Satzfetzen bestehender Nonsens-Vortrag statt einer herkömmlichen Kneiprede. Es dauerte allerdings ein paar Minuten, bis sich in der Korona die Erkenntnis durchsetzte, dass das sprachliche Chaos gewollt war. Selbst AH Hans-Henning Hennies, der aus dem fernen Karlsruhe angereist war, kam zunächst ins Grübeln. Und der kneipentwöhnte AH Manfred Höft, seines Zeichens Pädagoge, war sich in Anbetracht der niederschmetternden Resultate der PISA-Studien wohl auch zunächst nicht ganz im Klaren über die Sprachkompetenz der heutigen Aktiven. Nachdem AH Heinrich Hecke I das zwischenzeitliche Colloquium zu fernmündlicher Diagnostik genutzt hatte‚ nahte das letzte Fuchsenviertelstündlein unseres chinesischen Bundesbruders Kai, der seine Burschenprüfung mit unerwarteter Bravour bestanden hatte und sich nun der mühevollen Prozedur des Auspaukens aus seinen bisherigen niederen Gefilden, sowie des Einpaukens in die lichten Höhen des Burschensalons unterziehen musste. Er begann die erste Etappe zügig‚ war aber bereits bei seiner Ankunft als Zwitter am Katzentisch sichtbar gezeichnet und musste erst einmal ein Rekonvaleszenz-Intervall einlegen. Schließlich war auch der aus Pietätsgründen nicht fotografisch dokumentierte Vorgang des Einpaukens bewältigt und der Burscheneid abgelegt. Halb glücklich, halb groggy fiel unser wackerer Kai nach dem Umlegen des Burschenbandes dem Erstchargierten in die Arme‚ und mit dem Farbenlied fand die Zeremonie ihren Abschluss. Was dem Erstchargierten recht ist, ist dem AHV-Vorsitzenden billig. Es gab also noch eine Bandverleihung. AH Hans-Henning Hennies, schon ein Weilchen Anwärter auf die mit dem Wahlspruch bestickte Couleur, ließ sich vom bereits einschlägig dekorierten AH Lothar Kück kurz in das Procedere einweisen und bot dann amico Enger pectus für das Anlegen des Ehrenbands. Und AH Wilhelm Enger war noch lange nicht am Ende mit seinem Latein, sondern fing erst richtig damit an. Er zog ein Manuskript aus der Tasche und verlas zur allgemeinen Überraschung einen in jener angeblich toten Sprache, genauer gesagt in deren Dialektvariante Kirchröder Küchenlatein verfassten Text, der wie folgt lautete: "Majestates toti orbis, cari fratres Verdensiae, Wer dieses in entlegenen Randgebieten der niedersächsischen Landeshauptstadt als Umgangssprache erhalten gebliebene Idiom nicht beherrschte, erfuhr es dann auch noch auf Deutsch: Zur Weihe des Abends sollte entsprechend altem Brauchtum eine Biermesse gelesen werden, und das natürlich in entsprechend würdigem Habitus. Schon wurden größere Mengen Zeitungspapier verteilt und demonstrierte der nicht nur mensurtechnisch begabte Zweitchargierte, wie man aus einem Stück "Göttinger Tageblatt" mit wenigen Handgriffen einen Chapeau à la Ratzinger zaubert. Alle bemühten sich, es ihm nachzutun, und für mehr geisteswissenschaftlich orientierte Kneipteilnehmer, die mit dem Knicken und Falten so wie der Verfasser nicht zurechtkamen, war auch gesorgt. Sie erhielten die kleidsamen Kopfbedeckungen aus einem vorgefertigten Bestand. Binnen weniger Minuten verwandelte sich die Kneipkorona in eine pseudopopale Kongregation. AH Dieter Schütze träumte schon von seiner Seligsprechung durch den Goslarer Erzbengel Gabriel‚ und bei AH Wolfgang Gillert verdichtete sich bereits ein frömmelnder Beleuchtungseffekt zum Heiligenschein. So war alles gerichtet für die Biermesse, die der Verfasser als Vorsänger und -trinker leider nicht fotografisch dokumentieren konnte. Für alle diejenigen, die nicht dabei waren, die auch dieses weihevolle Kneipinstitut nicht kennen oder zumindest seine Liturgie nicht (mehr) beherrschen, ist der Text des Wechselgesangs und des Schlusschors ohne Melodie nachstehend abgedruckt. Sie können dann für die nächste Weihnachtskneipe schon üben. Für die inbrünstig mitsingenden und mitsprechenden Kneipteilnehmer war´s eine Mordsgaudi, die kaum noch zu toppen war. Deshalb fiel der Fuchsenulk im Inoffizium diesmal aus. Was nicht ausfiel, war die übliche Sammlung unter den Philistern, deren Erlös ausnahmsweise nicht für die Fuchsenkasse bestimmt war, sondern dem infolge eines Unfalls querschnittgelähmten aB Pascal Plümacher unserer Kartelllandsmanmschaft Troglodytia Kiel zugute kommen sollte. Verdensias Alte Herren zeigten sich über alle Maßen solidarisch. Weit mehr als 500 Euro kamen zusammen, ein Rekordergebnis. Fazit: eine wunderschöne, auch in der Vorbereitung Bestnoten verdienende Weihnachtskneipe, für deren Gelingen Erstchargierter und AHV-Vorsitzender gleichermaßen verantwortlich zeichnen und Dank beanspruchen können.
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