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Boßeln 2008

Just zum Datum des Redaktionsschlusses dieser Ausgabe der VZ hatte der Boßelkönig Hans Linnemann mit seiner erlauchten Dorothea zum diesjährigen Kräftemessen nach Lilienthal bei Bremen gebeten. Wie gerufen, so trafen denn auch am Freitag, 15.02.08, gemütlich die wackeren Recken samt Gefolge mit Kind und Kegel gegen Abend im Hotel Rohdenburg zusammen, um sich zunächst von den Anreisestrapazen zu erholen und sich nebenbei der körperlichen Stärkung hinzugeben. Ein reger Austausch der wichtigsten Neuigkeiten ums Boßeln und andere mitteilenswerte Betrachtungen führten dazu, dass zu späterer Stunde ein gewisser Sättigungsgrad erreicht war und man sich in Anbetracht der am kommenden Morgen zu erwartenden Wettkämpfe zur Nachtruhe zurückzog.

Der kommende Morgen kündigte schon beim ersten Hahnenschrei mit einem klaren blauen Himmel einen wahren Boßelfesttag an. Nach dem üppigen Frühstück stellte man aber auch schnell fest, dass die klare Nacht uns entsprechend tiefe Frühtemperaturen hinterlassen hatte, gerade so, wie es der Boßelfan liebt. Nach kurzer Anfahrt und nur langsamer Mannschaftsbildung - gewisse Ungerechtigkeiten lassen sich nie ganz vermeiden - ging es dann endlich um klock 11 los! Und sofort verschwand die erste Kugel im Bach. Ganz offensichtlich war der Nachtfrost nicht tief genug gewesen und den abgestellten Kugelbeobachtern - wegen der morgendlichen Gliedersteifigkeit - selbige völlig entschwunden. Selbst langes Suchen half da nicht; man entschloss sich, den ersten Verlust einzugestehen und den bitteren Wiederbeschaffungspreis von immerhin € 50 in Kauf zu nehmen. Welch ein Auftakt!! Ein Omen?

Die folgenden Würfe wurden dann durch die langsam höher steigende Sonne und damit deutlich zunehmende Betriebstemperatur der Akteure immer besser; die Boßelstrecke - zunächst eine fast gerade verlaufende Allee, die dann nach ca. 2 km in einen voll in der Sonne liegenden ebenfalls asphaltierten Feldweg überging - musste gut gelesen werden und ließ dann auch einigermaßen erfreuliche Würfe zu. Bei St. Jürgen, einer kleinen romanischen Kirche, wurde nach ca. 1 ¾ Std. gerastet, d.h. einige versuchten, ihr weiteres Boßelglück mit einem stillen Gebet getarnt als Kirchenbesichtigung zu beeinflussen, während der größere Teil der Boßler den klassischen von Dorothea bereitgehaltenen Dopingmitteln in Form von Glühwein und ähnlichen Spirituosen zusagte. Dies schien besonders bei Heike Blumentritt eine besonders leistungssteigernde Wirkung hervorgerufen zu haben, schaffte sie doch die sich anschließende S-förmige Doppelkurve als einzige von allen Mannschaften in einem Wurf! Dies verlangte selbst vom gegnerischen Mannschaftsführer ein deutliches: "Respekt! Respekt!" und dann eben drei Würfe seiner Truppe, um vorbeizuziehen. Wiederum ein Schoot!

Der in Bremen beheimatete Bbr Conrad Michaels ließ den Blick bisweilen über das St. Jürgensland schweifen, zeigte mir, im Nordwesten die am Horizont aus waldiger Umgebung sich abzeichnenden Häuser Ritterhudes, im Westen die Schlote der Bremer Industriehäfen und im Süden die Hochhäuser der Hansestadt. Die Boßler versuchten währenddessen erfolgreich die Brücken über Kirchenfleet und Neugrabenfleet ohne Kugelverlust zu meistern. So zog es sich weiter bis zu einem gemütlichen, rustikalen Ausflugslokal. Hier hatte das Königspaar zum Mittagessen reserviert. Nach guten zwei Stunden Frischluft tat am warmen Kamin eine deftige Mahlzeit recht gut, führte allerdings auch nicht nur bei unserem Boßelnachwuchs zu postprandialer Müdigkeit. Wie gut war es da, als Hans rechtzeitig vorm Eindämmern an die frische Luft hinausbat, zur zweiten Halbzeit.

Von der Rückrunde scheint mir besonders erwähnenswert, dass auch auf dieser Strecke es nur unserer Heike gelang, die Doppelkurve wiederum mit einem Wurf zu meistern und dadurch auch im Kampf der sich nun vergleichenden Mannschaften, die wiederum zu einem Schoot führende Vorlage lieferte. Sollte die Tatsache, dass sie seit Jahren behauptet, jeweils dem Dreamteam anzugehören letztendlich nur dem Vertrauen in ihre eigenen Würfe entspringen? Jedenfalls bleibt als Fazit des gegen 17.30 Uhr endenden Boßelns festzustellen, dass sie der Mannschaft angehörte, die dann im späteren Verlauf des Abends auch den Boßelkönig stellte.

Wie gesagt gegen 17.30 Uhr endete, immer noch von einer milden Abendsonne gewärmt, der offizielle Wettbewerb. Bevor wir aber zum Hotel zurückkehrten, wurde aus dem Kreis der mitgewanderten Kinder, die teilweise auch schon bei den "Großen" mitmachen durften, ein eigenständiger Boßelprinz ausgespielt. Und nicht unerwähnt sollte bleiben, dass unser lieber Florian zu guter letzt auch noch die am Morgen von mir beim ersten Wurf versenkte Kugel doch noch aus dem Bach fischte! Bravo Florian! So konnten wir das Boßelbesteck komplett wieder zurückgeben.

Die kurze Zwischenzeit zum Auffrischen tat allen gut, bevor ab 19.00 Uhr das traditionelle Grünkohlessen mit der Übergabe des Pokals die Amtszeit von Hans Linnemann zu Ende gehen ließ. In den anklingenden Reden wurde mehrfach festgehalten, dass es Hans und seiner Frau gelungen ist, in einer traumhaft schönen Umgebung unter optimalen Bedingungen in jeglicher Hinsicht ein überzeugendes Boßelfest zu veranstalten. Nach der Kür des ersten Bosselprinzen, nämlich Moritz Engelhardt, und der Übergabe der Amtsinsignien (Schlüsselanhänger in Plastikbecher), fiel die Wahl des nächsten Königs auf Christian Schütte, der den Pokal nunmehr als 13. Regent in Händen hält. Wir wünschen auch ihm bei der Auswahl der Sportstätten im kommenden Jahr eine glückliche Hand und vergleichbar gute Wetterbedingungen.

































Wilhelm Enger