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Verdensertreffen in Goslar 2007

24. - 27. August 2007

Am letzten Wochenende des Monats August traf sich eine stattliche Anzahl Bundesbrüder und -schwestern zum traditionellen Verdensertreffen - dieses Mal in der Kaiser- und Reichsstadt Goslar. Eingeladen zum diesjährigen Treffen hatten AH Dieter Schütze gemeinsam mit seiner Frau Rosi.

Die Gastgeber hatten ein umfangreiches und interessantes Programm zusammengestellt, mit dem sie ihre neue bzw. alte Heimat ihren Gästen vorstellen wollten: Denn beide waren vor einigen Jahren nach Dieters Pensionierung aus dem ostfriesischen Leer in Rosis Heimat am Harz verzogen.

Voller Erwartungen machten wir uns auf den Weg; jedoch ein unerwartetes Naturereignis verzögerte für viele von uns die Anfahrt in Richtung Harz ganz erheblich. Der Autor dieser Zeilen kam kurz vor dem Zielort in ein furchtbares Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen. Länger als eine Stunde mussten wir am Straßenrand halten, um uns dann langsam über überschwemmte Straßen unserem Zielort zu nähern (über die Folgen des Regens siehe weiter unten). Aber nach dieser feuchten Begrüßung am ersten Tag blieb uns der Wettergott wohlgesonnen. Blauer Himmel und sonniges Wetter ließen in den folgenden Tagen die Reize Goslars und die Schönheit des Harzlandes leuchten.

Nach der Quartiernahme im historischen Hotel "Achtermann" und einem ersten inoffiziellen Rundgang durch die Altstadt trafen sich am Abend - sozusagen als Vorhut - etwa zwölf Bundesbrüder mit ihren Ehefrauen zu einer gemütlichen Tafelrunde im Ratskeller. Zu diesem Kreis stießen auch diejenigen, die am Vormittag am Zusatzprogramm teilgenommen hatten; denn dankenswerterweise hatten Petra und Lothar Kück für interessierte BbrBbr eine Führung durch die "Documenta" in Kassel organisiert (Bild 01), die in gewisser Weise mit ihrer Kunst der Moderne ein Kontrastprogramm zu unserer Begegnung mit der mittelalterlichen Baukunst und Stadtkultur in Goslar darstellt.


(Bild 01)

Ausgeruht und gestärkt vom guten Frühstück erkundeten wir am nächsten Tag unter Dieters und Rosis kundiger Führung die nähere Umgebung Goslars. In Abänderung seines ursprünglichen Plans führte uns die Autofahrt zur Innerste-Talsperre, einer der zahlreichen im Harz angelegten künstlichen Wasserreservoirs (Bild 02). Infolge des unerwartet starken Regens vom Vortag bot sich uns ein seltenes Schauspiel: Die Innerste-Talsperre ließ in einem trichterförmigen Überlauf große Mengen Wasser ungenutzt ins Tal ablaufen.


(Bild 02)

Nach diesem interessanten Erlebnis setzten wir die Fahrt fort und hielten erst wieder an einem Ausflugslokal mit Namen "Auerhahn". Nun hieß es für alle: aussteigen und wandern. Auf vorerst schonende Weise wurden wir mit dem herrlichen Wander- und Tourengebiet des Harzes vertraut gemacht; nach einem leichten Aufstieg zum Bocksberg mit einer kurzen Rast (Bilder 03 und 04) und einem herrlichen Ausblick vom Turm auf Brocken und Torfhaus gelangten wir nach Hahnenklee.


(Bild 03)


(Bild 04)

Dort besichtigten wir die berühmte Stabkirche, die 1908 nach norwegischem Vorbild ganz aus Holz gebaut wurde (Bild 05). Zurück führte der Weg an den Teichen des Oberharzer "Wasserregals" (eine Bezeichnung für ein System von Teichen, Gräben und Stollen zum Antrieb der Wasserräder im mittelalterlichen Bergbau des Oberharzes). Die Rückfahrt nach Goslar führte uns durch Clausthal-Zellerfeld, wo wir aus zwei Gründen einen Halt einlegen mussten:


(Bild 05)

Im Vordergrund stand die Besichtigung der Kirche St. Salvatoris mit dem von Wilhelm Tübke im Jahre 1996 geschaffenen Flügelaltar (Anm.: Tübke schuf auch in den 70iger Jahren das Panoramagemälde im sog. Bauernkriegsmuseum bei Bad Frankenhausen am Kyffhäuser). Anschließend warfen wir voller Erstaunen einen Blick auf die genau gegenüberliegende alte Bergapotheke, deren Fassade mit vielen Holzgesichtern verziert ist. Diese herrliche Apotheke war bis in die 50iger Jahre im Besitz unseres verstorbenen Kartell-AH Nuhn, bevor er mit seiner Familie nach Göttingen verzog und hier die bekannte Apotheke in der Theaterstraße übernahm. Für seine Tochter Brigitte Steuer bedeutete dies ein Wiedersehen mit einer Erinnerungsstätte an ihre frühe Jugend- und Schulzeit (Bild 06).


(Bild 06)

Der Begrüßungsabend stellte den ersten offiziellen Teil des Treffens dar: Im mittelalterlichen "Maltermeisterturm" (= Grubenholzverwalter), hoch über der Stadt und am Rammelsberg gelegen, wurde den Gästen ein sog. Schärper-Essen serviert (Bild 07). In sehr entspannter Atmosphäre, bei milder Temperatur und mit einem herrlichen Ausblick auf die Stadt Goslar und das Harzvorland genossen wir dieses herzhafte Bergmannsessen (Bild 08) (übrigens mit dem dazu gehörigen Esswerkzeug, einem Schärpermesser) bis in die späte Nacht (Bild 09).


(Bild 07)


(Bild 08)


(Bild 09)

Traditionsgemäß ist der Sonnabend dafür vorgesehen, dass der Gastgeber seinen Gästen die Besonderheiten und Vorzüge seines Wohnortes und des Umlandes vorstellt. So hatte Dieter für den Vormittag eine excellente Stadtführung organisiert, die uns in das mittelalterliche Ensemble der Altstadt ein- und hindurchführte. Die verschiedenen Stilrichtungen wurden immer wieder an einzelnen Bürgerhäusern deutlich gemacht. Aus der Vielzahl der Stationen seien vermerkt: die Neuwerk-Kirche, das Siemenshaus (Stammhaus der Industriellenfamilie Siemens) (Bild 10), das Mönchehaus - Museum für moderne Kunst (Bild 11), wo auch einige Werke der Kaiserringträger der Stadt Goslar zu besichtigen sind, das Rathaus am Markt, die Kaiserworth als ehemaliges Gildehaus der Gewandschneider, die Dom-Vorhalle und die Kaiserpfalz, sowie das ehemalige Hospital Großes Heiliges Kreuz, in dem sich heute einige Kunstgewerbegeschäfte befinden. Um ein wenig auszuspannen und die Eindrücke zu verarbeiten, trafen wir uns dann auf dem Marktplatz zu einem Mittagsimbiss beim Glockenspiel am Kaiserringhaus.


(Bild 10)


(Bild 11)

Am Nachmittag erwartete uns ein weiterer Höhepunkt: die Besichtigung des Erzbergwerks Rammelsberg, das seit 1992 zusammen mit der Altstadt Goslars auf der Liste des "UNESCO Weltkulturerbes" steht (Bild 12). Auch hier wurden wir wieder weit in die Vergangenheit (und ins Erdinnere) geführt. Nach über 1000 Jahren ununterbrochenen Bergbaus (stillgelegt 1988) stellt der Rammelsberg ein einzigartiges Industrie- und Kulturdenkmal dar. Um aus der Fülle der Möglichkeiten einen Einblick in die Geschichte und die Technik des Bergbaus zu gewinnen, bot sich ein Besuch des "Roederstollens" (natürlich mit Bergführer) an. Bergmännisch gekleidet mit Schutz gegen Fels und Wasser starteten wir unsere Wanderung in den Stollen (Bild 13), der ehemals das Wasser aus dem Berg ableitete, welches dazu diente, die "Fahrkunst" zur Beförderung von Bergleuten und Erz anzutreiben. Wir bestaunten die riesigen Wasserräder und die z.T. noch erhaltene Antriebsmechanik, die in großen Kavernen des Berges untergebracht waren. Ebenso bewunderten wir die herrliche Farbgebung der Vitriolen an den Stollenwänden (Bild 14). Dem feuchten Abenteuer im Berg schloss sich stilgerecht ein gemeinsames Kaffeetrinken im "Förderturm" an.


(Bild 12)


(Bild 13)


(Bild 14)

Am Abend trafen wir uns auf der Terrasse des Hotels Achtermann zum Sektumtrunk, um dann mit einem festlichen Abendessen im historischen Turmsaal den eindrucksvollen Tag in geselliger Runde ausklingen zu lassen (Bilder 15, 16 und 17).


(Bild 15)


(Bild 16)


(Bild 17)

Am nächsten Morgen hieß es für einige von uns Abschied nehmen; jedoch ein "harter Kern" hatte sich entschieden, noch bis Montag zu bleiben und am "Zusatzprogramm", das Dieter angeboten hatte, teilzunehmen. So fanden wir Dagebliebenen uns auf Einladung von Rosi und Dieter am Sonntagabend in deren Wohnung in der Wallstraße ein. Auf diese Weise lernten wir ihr neues Zuhause kennen, das im Übrigen eine privatisierte Werkswohnung der ehemaligen PreußAG ist, die bis 1988 den Bergbau im Rammelsberg betrieb. Bei Speis und Trank verbrachten wir in geselliger Runde den Abend und gingen spät, aber gestärkt für das Abenteuer am nächsten Tag, in unsere Herberge zurück.

Zu diesem letzten "bergmännischen" Unternehmen "der schönen Tage von Goslar" trafen wir uns am Torfhaus mitten im Harz, um von dort auf dem "klassischen" Weg, benannt nach J.W. von Goethe, den Brocken zu erwandern. Bei sonnigem Wetter und guter Sicht ging es zügig voran, wobei Dieter uns als Experte immer wieder ausführliche botanische und mineralogische Erklärungen gab. So wurden wir gleich zu Beginn der Wanderung auf einem Bohlenpfad über das Große Torfhausmoor geführt (Bilder 18 und 19), und wir kamen am Abbegraben vorbei, einem künstlichen Wasserlauf zum Antrieb der "Künste" des Bergbaus im Oberharz.


(Bild 18)


(Bild 19)

Nach etwa zwei Stunden zügigen Fußmarsches erreichten wir das Brockenplateau (Höhe 1140 m) und genossen den großartigen Ausblick auf Harz und Vorland, was angesichts von 300 Nebeltagen im Jahr eine ausgesprochene Seltenheit ist. Freudig wurden wir von den Bundesbrüdern und -schwestern begrüßt, die es vorgezogen hatten, den Aufstieg mit der Brockenbahn zu bewältigen (Bild 20), was wegen der großen Passagierzahl an diesem Tag leider kein so großes Vergnügen war. Nach einem Rundgang über die Brockenkuppe und einer Vesper im Brockenrestaurant erfolgte der Abstieg (bzw. Abfahrt) auf dem gleichen Weg (Bilder 21 und 22).


(Bild 21)


(Bild 22)

Der abendliche Ausklang fand dann wieder in Goslar statt: Im historischen Gasthaus "Worthmühle", das an dem durch die Stadt fließenden Flüsschen Gose liegt, wollten die letzten verbliebenen Verdenser eine flüssige Spezialität der Harzstadt kosten, nämlich das im Mittelalter sehr verbreitete und seit kurzem hier wieder gebraute "Gosebier". Warum es zwischenzeitlich nicht mehr gebraut wurde, ist nicht ganz klar, vielleicht lag es an der mangelnden Qualität des Wassers, denn folgender Spruch ist noch heute zu hören: "Heute wird bekannt gemaket, dass keiner in die Gose kaket, denn morgen wird gebraut". Wir indes haben davon nichts gemerkt (auch am folgenden Tag nicht!). Mit so manchem kühlen Gosebier ließen wir in fröhlicher Runde den ereignisreichen Tag ausklingen. Auf diese Weise konnten wir Rosi und Dieter als den Ausrichtern des Verdensertreffens bei einem urgoslarischen Getränk unseren ganz herzlichen Dank aussprechen für diese harmonischen und erlebnisreichen Tage in Goslar.

Rolf Goerl